Viertel vor sieben. Der Wecker hat schon zweimal geklingelt, und unter der Bettdecke kommt nur ein Brummen hervor. „Nur noch fünf Minuten!“ Später sitzt Ihr Kind mit halb geschlossenen Augen vor dem Müsli und bringt kaum einen Bissen herunter. Kennen Sie das? Viele Eltern erzählen mir in der Praxis von genau solchen Morgen. Und oft auch von dem Gedanken: „Dabei war es gestern doch gar nicht so spät.“
Solche Morgen sind keine Ausnahme. Der aktuelle DAK-Präventionsradar hat Ende September gezeigt, dass Schlafprobleme bei Schulkindern weit verbreitet sind. Fast die Hälfte der Kinder ab der fünften Klasse schläft regelmäßig schlecht. Überrascht hat mich das nicht, aber es beschäftigt mich sehr. Denn dahinter stehen Kinder, die jeden Tag mit leerem Akku in die Schule gehen.
Warum schlafen so viele Kinder schlecht?
Eine einzige Ursache gibt es selten. Meist greifen mehrere Stellschrauben ineinander. Deshalb schaue ich immer auf die Zusammenhänge.
- Bildschirm am Abend. Das Handy liegt am Bett, das nächste Video startet von allein. Helles Licht und aufwühlende Inhalte können das Einschlafen deutlich erschweren.
- Druck im Kopf. Die Klassenarbeit morgen oder der Streit in der Clique wandern abends mit ins Bett.
- Zu wenig Bewegung und Tageslicht. Wer den Tag überwiegend sitzend und drinnen verbringt, ist abends oft unruhig statt angenehm müde.
- Körperliche Faktoren. Auch die Ernährung, der Darm, der Hormonhaushalt oder ein Mangel an Mikronährstoffen, also an Vitaminen und Mineralstoffen, können den Schlaf beeinflussen.
Dabei unterscheide ich gern zwischen Auslöser und Ursache. Das Handy ist häufig der Auslöser. Die Ursache liegt manchmal tiefer, und genau dort lohnt es sich hinzuschauen.
Was bedeutet fehlender Schlaf für das Lernen?
Schlaf ist die Pausetaste für Körper und Gehirn. In der Nacht wird sortiert und aufgeräumt. Fehlt diese Erholung, merken Sie das schnell auch in der Schule.
- Konzentration. Die Aufmerksamkeit hält kürzer, und Flüchtigkeitsfehler nehmen zu.
- Gedächtnis. Im Schlaf festigt das Gehirn, was tagsüber erlebt wurde. Ohne die Regeneration im Schlaf ist auch das Gedächtnis beeinflusst.
- Gefühle. Müde Kinder sind schneller gereizt oder ziehen sich zurück.
- Lernbereitschaft. Wer erschöpft ist, hat kaum Kraft für Neugier. Die Lust am Lernen sinkt.
Daraus entsteht leicht ein Teufelskreis. Schlechte Noten machen Druck, und Druck raubt den Schlaf. Der fehlende Schlaf macht das Lernen dann noch schwerer.
Wie geht es weiter?
Sie haben sicherlich schon viel versucht. Feste Schlafenszeiten oder das Handy, das abends in der Küche bleibt. Das ist ein guter Anfang! Die Studie zeigt aber noch etwas, das mich besonders nachdenklich macht. Vielen Kindern fehlt das Wissen, die Signale ihres Körpers zu verstehen. Darum geht es im zweiten Teil dieser Serie. Ich zeige Ihnen, wie Sie dieses Wissen bei Ihrem Kind schon heute aufbauen dürfen.
Mein Therapieangebot
Schläft Ihr Kind schon länger schlecht und Sie möchten den Ursachen auf den Grund gehen? Dann lade ich Sie zu einem kostenlosen Erstgespräch ein. In 15 Minuten am Telefon lernen wir uns kennen, und Sie entscheiden in Ruhe, ob Sie den nächsten Schritt gehen möchten.
Quelle: DAK-Präventionsradar